Sorgenohren-Ohrensorgen

Etwas mehr als zehn Prozent aller Hunde, die in England in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden leiden unter einer Ohrentzündung, genauer einer Entzündung des äußeren Gehörganges, einer Otitis externa. Damit ist die Otitis externa die häufigste Krankheit des Hundes. An zweiter Stelle in der Krankheitshitliste steht die Paradontose, also die Entzündung des Zahnhalteapparats mit etwas über neun Prozent und an dritter Stelle Krankheiten der Analbeutel mit etwa sieben Prozent.

Welche Krankheiten sind am häufigsten? Welche Organe sind am krankheitsanfälligsten? Gibt es Unterschiede zwischen Rassehunde und Mischlingen? Die Antworten auf diese Fragen können aufzeigen, wo am meisten Handlungsbedarf beispielsweise bei der Aufklärung von Hundehaltern oder Vorbeugung besteht. Um zumindest einen Teil dieser Fragen zu beantworten haben Wissenschaftler der Universität London die Krankenakten von 3.884 Hunden, die 89 Tierarztpraxen in Zentral- und Südostengland untersucht worden waren, ausgewertet.

Kätzchen untersucht Hundeohr bei Welpen

Kätzchen untersucht Welpenohr oder sucht es ein offenes Ohr für seine Sorgen? Ohrentzündungen gehören zu den häufigsten Krankheiten bei Hunden. Das erstes Symptom einer Ohrentzündung beim Hund ist Juckreiz. © Ermolaev Alexandr - Fotolia.com

Neben der Häufigkeit von Einzelerkrankungen stellten die Forscher auch fest, dass Hunde mit 17,8 Prozent am häufigsten unter Verdauungsstörungen leiden und Hautprobleme mit 15,5 Prozent an zweiter Stelle stehen. Aber dennoch die Haut als Ganzes (inklusive Ohren, Pfoten, Krallen, Drüsen usw.) mit 36,3 Prozent das am häufigsten von Krankheiten heimgesuchte Organsystem ist. Verdauungssystem und Bewegungsapparat (Muskeln und Knochen) belegen bei den kranken Organsystemen Rang zwei und drei. Die häufigste krankhafte Veränderung war die Entzündung (32,1 Prozent), gefolgt von Schwellungen und Verletzungen.

Insgesamt litten Rassehunde häufiger unter bestimmten Krankheiten wie Otitis externa, Fettsucht und Gewebswucherungen der Haut als Mischlinge. Bestimmte in England beliebte Rassen zeigten sich anfälliger für Paradontose, übermäßiges Krallenwachstum, Arthrosen, Fettsucht und gutartige Fetttumore (Lipome).

Allerdings schränken die Wissenschaftler die Aussagekraft ihrer Studie hinsichtlich Krankheitshäufigkeit bei Rassen und Mischlingshunden selbst ein, weil bestimmte gesundheitliche  Probleme bei einigen Rassen von den Besitzern als normal (rassetypisch)  wahrgenommen würden – zum Beispiel Schnarchen und Kurzatmigkeit bei kurzköpfigen (brachycephalen). Andererseits kann man auch nicht ausschließen, dass Besitzer mit ihrem „teuren“ Rassehund häufiger den Tierarzt aufsuchen, als mit einem „billigen“ Mischling.

O´Neill, D. G., Church, D. B., McGreevy, P. D., Thomson, P. C., & Brodbelt, D. C. (März 2014). Prevalence of Disorders Recorded in Dogs Attending Primary Care Veterinary Practices in England. PLOSONE, 9.

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0090501

 

 

0 Comments

You can be the first one to leave a comment.

Leave a Comment


*