Boxer juckt es anders

Juckreiz ist das Hauptsymptom für allergische Erkrankungen beim Hund. Welche Körperstellen jedoch jucken, kann von Rasse zu Rasse sehr unterschiedlich sein.

Dass bestimmte Rassen für allergische Erkrankungen anfälliger sind als andere, ist bereits länger bekannt. Dass sich jedoch auch die Symptome für die Allergie je nach Rasse unterscheiden können, fanden  Wissenschaftler der Universitäten in Zürich und Edinburgh heraus.

Die Forscher werteten hierzu die Daten von insgesamt 1096 Hunden mit Juckreiz aus. Die Daten stammten aus 15 Ländern und waren von 34 Spezialisten für Hautkrankheiten beim Tier erhoben worden. 843 Hunde litten unter einer Atopie. Mit Atopie bezeichnet man die Neigung auf harmlose Stoffe aus der Umwelt (zum Beispiel Blütenpollen) allergisch zu reagieren.

Atopie bei bestimmten Hunderassen

In dieser Studie kristallisierten sich neun Hunderassen heraus, deren Vertreter deutlich häufiger unter einer Atopie litten als die anderen teilnehmenden Rassehunde. In anderen Studien wurden übrigens auch andere Rassen als besonders anfällig für Atopien identifiziert. Ein Grund hierfür können verschiedene Zuchtlinien innerhalb einer Rasse sein.

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Boxer mit einer Atopie leiden besonders häufig unter Ohrentzündungen © mathom - Fotolia.com

Die auffälligen Rassen in der vorliegenden Studie waren (alphabetische Reihenfolge):

  • Boxer
  • Dalmatiner
  • Deutscher Schäferhund
  • Französische Bulldogge
  • Golden Retriever
  • Jack Russell
  • Labrador Retriever
  • Shar Pei
  • West Highland White Terrier

Im Vergleich zu anderen Rassen, die Schnitt im Alter von zwei Jahren erkrankten, zeigten Shar Peis und Französische Bulldoggen bereits wesentlich jünger, nämlich mit knapp über einem Jahr erste Symptome. Beim Boxer erkrankten deutlich mehr Hündinnen, während es bei anderen Rassen keine auffällige Häufung eines Geschlechts gab.

Hautveränderungen bei Atopie

Unter den meisten juckenden Körperstellen litten Deutscher Schäferhund und West Highland White Terrier (Westie). Bei diesen beiden Rassen war der Juckreiz auch häufig mit eine krankhaft fettigen Haut verbunden (Seborrhoe). Andere Rassen wie der Labrador Retriever hingegen hatten das Gegenteil nämlich eine auffallend trockene Haut.

Die Symptome des Westies unterschieden sich dabei am deutlichsten von der Gesamtpopulation. Diagnostisch wichtig ist die Beobachtung, dass bei atopischen Westies oftmals der hintere Rücken (Lendengegend und Kruppe) juckt. Juckreiz an dieser Körperstelle ist im Allgemeinen nicht typisch für eine Atopie sondern für eine Flohspeichelallergie, die bei den Westies in der Studie jedoch ausgeschlossen werden konnte.

Deutsche Schäferhunde hatten neben der Atopie auch besonders häufig eine Futtermittelallergie und Verdauungsstörungen. Bei Dalmatiner erwiesen sich die Lippen als besonders empfindlich, Französische Bulldoggen hatten dafür vor allem Probleme an den Achseln, den Augenlidern und den Beugeflächen des Sprunggelenks.

Die Ergebnisse der Studie sollten nicht unkritisch verallgemeinert werden, weil 843 Hunde als Stichprobe zu klein sind. Hinzukommt – als Schwierigkeit bei allen Rassevergleichen – dass es durch die unterschiedliche Häufigkeit von Rassevertretern häufig zu Verzerrungen der Ergebnisse kommt. Dennoch ist die Studie wichtig und interessant, weil sie zeigt, dass sich dieselbe Krankheit bei Hunden ganz unterschiedlich auswirken kann. Daher sollte man bei Juckreiz auch immer an eine Atopie denken, selbst wenn, es den armen Hund an einer „untypischen“ Stelle juckt.

Diagramm: Juckende Körperstellen bei verschiedenen Rassen

Originalartikel zur Studie:

Wilhem, S., Kovalik, M., & Favrot, C. (2011). Breed-associated phenotypes in canine atopic dermatitis. Veterinary Dermatology, 22, S. 143-149. Abstract

Weitere Studie zur Anfälligkeit verschiedener Rassen für Atopie

Jaeger, K., Linek, M., Power, H. T., Bettenay, S., Zabel , S., Rosychuk, R. A., et al. (2010). Breed and site predispositions of dogs with atopic dermatits: a comparison of five locations in three continents. Veterinary Dermatology, 21, S. 119-123. Abstract

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