Mittel gegen Qualzucht

- Sechs prämierte Rassehunde wurden auf der Crufts disqualifiziert.

Es war nicht mehr und nicht weniger als ein historischer Einschnitt für die Hundezucht, der Anfang März auf der Crufts in Birmingham stattfand. Denn auf der größten und bedeutendsten Hundeausstellung der Welt entschieden 2012 erstmals nicht nur Zuchtrichter, sondern auch zwei unabhängige Tierärzte bei 15 „Problemrassen“, welcher Hund Chancen auf die höchsten Auszeichnungen hat. Prompt wurden sechs Hunde, die zuvor von den Zuchtrichtern als BOB (best of breed, Beste ihrer Rasse) ausgezeichnet wurden, von den Tierärzten aus gesundheitlichen Gründen von weiteren Wettbewerben ausgeschlossen.

Der Britische Kennel Club, die größte Hundezüchterorganisation Großbritanniens, hat damit auf die Vorwürfe von Hundefreunden auf der ganzen Welt reagiert, die bereits seit Jahren, davor warnen, das einige Zuchtziele nicht mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Hunde vereinbar sind und in extremen Fällen den Tieren ein Leben unter Qualen bescheren.

So erschweren die stark verkürzten Nasen bei Mops, Bulldog und Co. die Atmung soweit, dass manche Tiere sogar im Schlaf Erstickungsanfälle erleiden und nur noch im Sitzen ruhen können. Bei anderen Hunden sind die Augenlider viel zu weit oder zu eng, um dicht zu schließen, und das Auge zu schützen. Folge hiervon sind Verletzungen und chronische Entzündungen der Binde- und eventuell sogar Hornhäute der Augen, die bis hin zur Erblindung des Tieres führen können. Starke Hautfalten sind ideale Brutstätten für Pilze und Bakterien und daher sehr entzündungsanfällig. Extreme Körperformen wie beim Basset, mit seinem langen Rücken, den kurzen krummen Beinen und erwünschtem Übergewicht können schmerzhafte Krankheiten der Gelenke zur Folge haben, die das Lauftier Hund ans Körbchen fesseln. Die Liste „schönheitsbedingter“ Leiden bei verschiedenen Tierrassen ist ellenlang.

Die Maßnahme des Britischen Kennel Clubs Hunde bestimmter Rassen mit zuchtbedingten, gesundheitlichen Problemen von Schönheitswettbewerben auszuschließen, soll die Zuchtziele, dahingehend verändern, dass es keine Qualzuchten mehr wegen des „Geschmacks“ von Liebhabern extremer äußerer Merkmale einiger Hunderassen gibt. So sehr viele Hundefreunde diese Aktion des Kennel Clubs begrüßen und unterstützen, besteht doch auch Kritik. Denn tatsächlich gibt es wohl weit mehr als nur 15 Problemrassen und Tierschützer meinen, dass der Entscheidungsweg über die unabhängigen Tierärzte – der Einfachheit und der Gerechtigkeit halber – auf alle Hunde, die an Schönheitswettbewerben teilnehmen, ausgeweitet werden sollte. Ein Vorschlag, der angesichts der wandelnden Fellmatte, die zum schönsten Hund der Welt 2012 gekürt wurde, sehr weise erscheint.

Mehr zur Crufts 2012

Speziell zur unabhängigen Untersuchung der 15 Problemrassen hier.

15 Problemrassen, die sowohl von Zuchtrichtern als auch von Tierärzten beurteilt wurden.

  • Basset Hound
  • Bloodhound
  • Englische Bulldogge
  • Chow Chow
  • Clumber Spaniel
  • Bordeauxdogge
  • Deutscher Schäferhund
  • Mastiff
  • Mastino Neapolitano
  • Pekingese
  • Shar Pei (Faltenhund)
  • St Bernard
  • Französische Bulldogge
  • Mops
  • Chinesischer Nackthund

Rassen der disqualifizierten Hunde

  • Englische Bulldogge
  • Pekingese
  • Clumber Spaniel
  • Mastiff
  • Mastino Neapolitano
  • Basset Hound

Basset-Hound, Problemrasse der Crufts

Bild: Wikimedia Commons

Beim Basset kommt es wegen der extremen Körperformen oftmals in Verbindung mit erwünschtem Übergewicht, zu chronischen und schmerzhaften Erkrankungen des gesamten Bewegungsapparates. Der mangelnde  Lidschluss der zu großen Augenlider hat chronische Bindehautentzündungen zur Folge. Die riesigen Schlappohren sind verletzungsanfällig und die Hautfalten können sich leicht entzünden.

2 Comments

  1. Petra Thoma sagt:

    Dieser Artikel spricht mir ganz aus dem Herzen. Es wäre schön, wenn auch in Deutschland der Rassewahn eingedämmt und Qualzuchten verboten würden. Hier sollten die “Fachverbände” mit gutem Beispiel vorangehen. Der egoistischer Schönheitswahn eines Menschen darf in keinem Fall zu gesundheitlichen Problemen bei Tiern führen.

Leave a Comment


*