Zufall hilft heilen

Eigentlich stand ein ganz anderer, neuer Wirkstoff auf dem Prüfstand – doch nun ist möglicherweise die verwendete, altbewährte Trägersubstanz der Schlüssel für eine neue Therapie bei Rückenmarksverletzungen.

Das Rückenmark ist die Datenautobahn des Körpers. Wenn es zum Beispiel durch einen Unfall oder einen Bandscheibenvorfall verletzt wird, sind Bewegungs- und Gefühlstörungen bis hin zu kompletten Lähmung die Folge. Anders als Nerven in Armen, Beinen oder anderen Körperteilen, wachsen Nerven im Rückenmark oder im Gehirn nicht wieder zusammen, wenn sie einmal getrennt wurden. Eine Rückenmarksverletzung galt bis vor kurzem als hoffnungslos unheilbar. Doch seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass eine Heilung oder zumindest eine Linderung der Folgen möglich sein könnte. Verschiedene neue Therapieansätze werden hierzu weltweit erforscht und überprüft.

Eine Gruppe amerikanischer Forscher wollte überprüfen, ob ein neuer Wirkstoff mit dem Labornamen GM6001 die Folgen von Rückenmarksverletzungen lindern kann, indem sie die Wirkung von GM6001 mit der Trägersubstanz DMSO (Dimethylsulfoxid) und einer Kochsalzlösung bei Hunden mit frischen Rückenmarksverletzungen verglichen. Bei den Hunden handelte es sich nicht um Versuchstiere, sondern um reguläre Patienten der Tierklinik der Texas University von 2008 bis 2012. Die Besitzer der Hunde hatten der Studienteilnahme zugestimmt.

Die Hunde wurden per Zufallsprinzip in drei Gruppen geteilt: Eine Gruppe erhielt GM6001, das in DMSO aufgelöst worden war, eine Gruppe nur DMSO und die Kontrollgruppe der Hunde eine Kochsalzlösung. Bei der Auswertung der Daten stellten die Forscher zwar fest, dass die Hunde, die mit GM6001 und DMSO behandelt worden waren, bei Tests ihrer Motorik besser abschnitten als die Patienten, die die Kochsalzlösung erhalten hatten, aber nur genauso gut wie die Hunde, die nur DMSO bekommen hatten. Daraus schlossen die Forscher, dass die positive therapeutische Wirkung nur auf das DMSO zurückzuführen ist.

DMSO ist als Lösungsmittel in der Human- und Veterinärmedizin bekannt. Es wird hauptsächlich dazu verwandt, Arzneimittel, die aufgrund ihrer chemischen Struktur vom Körper nicht aufgenommen werden, in den Organismus zu transportieren (Trägersubstanz). Dass DMSO eine Art nervenschützende Wirkung entfaltet war bereits bekannt, nun scheint es darüber hinaus  das Potential für einen erfolgreichen Wirkstoff zur Linderung der Folgen von Rückenmarksverletzungen haben. Die Forscher plädieren dafür, diesen neuen Ansatz weiterzuverfolgen.

Hunde mit Lähmungen: Hovawart im Hunderollstuhl

Vielleicht gibt es bald neue Therapien, die zumindest einige  Hunde mit Rückenmarksverletzungen vor bleibenden Lähmungen bewahren. © Carola Schubbel - Fotolia.com

Quelle: Levine JM et al. (2014) Efficacy of a Metalloproteinase Inhibitor in Spinal Cord Injured Dogs PLOS one http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0096408

0 Comments

You can be the first one to leave a comment.

Leave a Comment


*