Andere Mechanismen des Placebo-Effekts

Der Verhaltensforscher Franklin D. McMillan nennt neben der Konditionierung noch drei andere Mechanismen für die die wissenschaftlichen Belege jedoch im Moment noch spärlich sind. Die Placebo-Wirkung soll möglicherweise durch endogene Opiate, den Kontakt mit und die Pflege durch den Menschen sowie die Erwartungshaltung von Besitzer und Tierarzt hervorgerufen werden.

Endogene Opiate (Endorphine) sind Stoffe, die die der Droge Opium ähneln aber vom Körper selbst hergestellt werden. Endorphine werden beispielsweise bei großer Anstrengung oder in Stresssituationen ausgeschüttet, um Schmerzen zu lindern. Die endogenen Opiate bewirken, dass ein Tier in einer Gefahrensituation nicht durch Schmerzen am Kampf oder an der Flucht gehindert wird. Ob Endorphine beim Placebo-effekt eine wichtige Rolle spielen ist umstritten. Es gibt hier widersprüchliche Studienergebnisse.

Der Kontakt mit Menschen scheint zumindest bei domestizierten Tieren einen gesundheitsfördernden Effekt zu haben. So schreibt McMillan, dass das Streicheln und der freundliche Umgang des Menschen mit dem Tier eine Stress reduzierende Wirkung hat. Bei Pferden und Hunden sinken dabei die Herzfrequenz und der Blutdruck. Bei landwirtschaftlichen Nutztieren erreichten sanfte Pfleger eine Leistungssteigerung. Besonders interessant sind auch die Ergebnisse einer Studie mit Kaninchen, die eine cholesterinreiche Kost erhielten. Ein Teil der Tiere wurde täglich liebevoll gestreichelt, der andere musste ohne Streicheleinheiten auskommen. Tatsächlich hatten die Kaninchen, die täglich liebkost wurden, um 50 Prozent weniger gravierende Schäden an den Arterien als ihre Artgenossen ohne engen Kontakt zum Menschen.

In der Tierarztpraxis darf die Erwartungshaltung des Tierbesitzers und des Tierarztes nicht unterschätzt werden. Beide erhoffen und erwarten sich von der Behandlung Erfolg und letztlich beurteilen beide Parteien auch selbst, ob dieser eingetroffen ist.

Eine norwegische Arbeitsgruppe um Gry T. Jæger machte 2005 hierzu eine erhellende Studie zu Goldimplantation versus Placebo-Behandlung. Goldimplantate werden zur Linderung der Schmerzen bei Arthrosen eingesetzt. Während einige Tierärzte und Tierbesitzer auf die Wirksamkeit schwören, wird diese von Fachkreisen aus der Schulmedizin bezweifelt. An der norwegischen Studie nahmen insgesamt 80 Hunde mit Arthrosen teil. Die Besitzer wurden darüber informiert, dass nur etwa die Hälfte der Tiere Goldimplantate erhielten, die andere Hälfte würde einer Scheinbehandlung unterzogen. Den Besitzern wurde aber nicht verraten, welche Tiere die Goldimplantate erhielten.  Sechs Monate nach den Eingriffen  wurden die Besitzer, welcher Behandlung ihr Hund wohl erhalten habe und ob diese Behandlung geholfen habe. Dabei gaben 88 Prozent der Halter von Hunden aus der Placebo-Gruppe an, dass sie glaubten, dass ihr Hund die echten Goldimplantate erhalten habe und es ihm nun besser gehe.

Michael Conzemius und sein Team von Universität Minnesota überprüften wie die Besitzer die Besserung des Gangbildes ihres lahmen Hundes nach einer Placebo-Behandlung subjektiv beurteilten. Gleichzeitig der Gang wurde aller Hunde mithilfe eines speziellen Laufbandes, das den Druck des Auftritts für alle Gliedmaßen misst, objektiv bewertet. Die Besitzer und die behandelnden Tierärzte wussten nicht, welche der Tiere das Placebo erhielten. Dabei konnte die Arbeitsgruppe  einen deutlichen Placebo-Effekt bei rund 40 Prozent der Besitzer und 43 bis 44 Prozent der Tierärzte feststellen, die meinten, das Gangbild habe sich gebessert, während bei der objektiven Methode keinerlei Besserung festzustellen war.

Alle Studien weisen daraufhin, dass ein Placebo-Effekt beim Tier beziehungsweise bei seinem sowie dem behandelnden Tierarzt durchaus möglich ist. Im Interesse des Tieres sollte diese Möglichkeit sowohl in der täglichen Praxis als auch in der veterinärmedizinischen Forschung berücksichtigt werden. Denn nur, wenn der Placebo-Effekt beachtet wird, können die Wirksamkeit von Therapien oder Arzneimittel objektiv bewertet werden.

Placebo Wirkung bei Tieren

Placebo-Effekt beim Tier durch Konditionierung

Quellen:

Conzemius, M. G., & Evans, R. B. (2012). Caregiver placebo effect for dogs with lameness from osteoarthritis. JAVMA, 241(10), S. 1314-1319.

McMillan, F. (1999). The placebo effect in animals . JAVMA, 215(7), S. 992-999.

Muñana, K. R., Zhang, D., & Patterson, E. E. (2010). Placebo Effect in Canine Epilepsy Trials. J Vet Intern Med, 24, S. 166-170.

Nolan, T. A., Price, D. D., Caudle, R. M., Murphy, N. P., & Neubert, J. K. (2012). Placebo-induced analgesia in an operant pain model in rats. PAIN, 153(10), S. 2009-2016.

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