Die zuckerkranke Hündin

In fast 80 % der Fälle von Diabetes mellitus beim Hund handelt es sich um eine Patientin. Doch warum erkranken ausgerechnet Hündinnen so häufig an Diabetes mellitus?

Das relativ hohe Risiko von Hündinnen zuckerkrank zu werden, hängt mit dem Hormon Progesteron zusammen. Progesteron (auch Gelbkörperhormon genannt) ist ein Gestagen und bereitet die Gebärmutter für die Einnistung der befruchteten Eizellen vor. Während der Trächtigkeit schützt es die Früchte im Mutterleib und heißt deshalb auch Schwangerschaftsschutzhormon.

Progesteron als Gegenspieler des Insulins

Progesteron fungiert leider aber auch als Gegenspieler von Insulin. Es hindert Insulin daran, Zucker in die Zellen zu schleusen. Beim Menschen ist dieses Phänomen übrigens auch als Schwangerschaftsdiabetes oder Gestationsdiabetes bekannt. Hündinnen bilden aber nicht nur während einer Trächtigkeit  große Mengen Progesteron, sondern auch im Metöstrus, der Phase nach der Läufigkeit. (s. unten Zyklusphasen der Hündin)

Unter Progesteroneinfluss kommt es wie beim Typ 2 Diabetes zu einer Insulinresistenz der Körperzellen. Um die Wirkung von Progesteron auszuhebeln, beginnen die Langerhans´schen Zellen der Bauchspeicheldrüse die Produktion von Insulin anzukurbeln und große Mengen dieses Hormons zu bilden.

Bei vielen Hündinnen geht das gut und der Blutzuckerspiegel kann dank der großen Insulinmengen im Blut konstant gehalten werden, bis die Produktion von Progesteron beim Übergang zum Anöstrus ganz natürlich aufhört. Die Zellen werden wieder empfindlich für die Insulinwirkung und die Bauchspeicheldrüse kann die Produktion von Insulin wieder auf ein normales Maß drosseln.

Bei einigen Hündinnen kann die Insulin-Produktion der Langerhans´schen Zellen den Blutzuckerspiegel nicht mehr konstant halten. Es entsteht zunächst ein vorübergehender Diabetes mellitus. Wenn aber der Progesteronspiegel im Blut nicht umgehend sinkt, „brechen“ die Langerhans´schen Zellen schließlich „erschöpft zusammen“. Dann wird kein Insulin mehr gebildet, ein absoluter Insulinmangel und damit ein unheilbarer Diabetes mellitus  ist entstanden.

Therapie des Gestagendiabetes

Wenn der Diabetes mellitus bei der Hündin frühzeitig entdeckt wird, besteht die Chance, dass eine Kastration das Tier heilt. Denn mit der Kastration wird die Progesteronbildung sofort gestoppt.  In den meisten Fällen wird die Zuckerkrankheit aber leider erst entdeckt, wenn die Langerhans´schen Zellen in der Bauchspeicheldrüse erschöpft sind und die Insulinproduktion komplett eingestellt haben. Dann handelt es sich um einen unheilbaren Diabetes mellitus und die Hündin muss wieder andere Diabetiker auch lebenslang mit Insulin, einer individuellen Diät und einem Bewegungsprogramm behandelt werden. Therapie des Diabetes mellitus hier. Zusätzlich muss die zuckerkranke Hündin kastriert werden, damit das Insulin, das zur Therapie eingesetzt wird überhaupt wirken kann und nicht wieder durch Progesteron daran gehindert wird.

Diabetes mellitus: Progesteronwerte in den  Zyklusphasen der Hündin

Sie können die Tabelle vergrößern, wenn Sie sie anklicken.

Mehr Informationen zum Diabetes mellitus beim Hund

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Blogbeiträge zu Diabetes mellitus

  • Diabetes mellitus während der Trächtigkeit. hier.
  • Gene für Diabetes mellitus. hier.

7 Comments

  1. Angelika Prinz sagt:

    Besteht zwischen Läufigkeit und Bauchspeicheldrüsenentzündung ebenfalls ein Zusammenhang?

  2. Lisa Martella sagt:

    Guten Tag Frau Welsch,
    wir leben an der schweiz/ deutsch/ franz. Grenze und in der Umgebung ist kein (mir bekannter)erfahrener Tier- Internist, den ich zur Hunde- Diabetes befragen könnte. Deshalb wende ich mich an Sie, da Sie Erfahrungen mit diabetischen Hunden besitzen und hoffe auf Ihre Rückmeldung.
    Meine Terrier- Hündin (unkastriert, 9 Jahre alt) hatte vor ca. 4 Wochen sehr hohe Zucker+ Leberwerte, man empfahl uns Insulin zu spritzen, was wir nun täglich tun.
    Meine beiden Fragen:
    – Warum ist der Hund mit Insulin weniger aktiv, sogar deprimiert. Ist das bei Insulingabe nicht eher umgekehrt?
    – Ist es- wir haben nun den Tierarzt gewechselt- empfehlenswert, die Blutuntersuchung wieder im gleichen Labor machen zu lassen( der jetzige TA möchte das in seinem eigenen Labor machen)?

    Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus und grüße Sie aus Neuenburg am Rhein,
    L. Martella

    • Liebe Frau Martella,

      Ob die Müdigkeit Ihrer Hündin etwas mit Insulindosis zu tun hat, weiß ich nicht. Der neue Tierarzt wird überprüfen, ob Ihre Hündin richtig eingestellt ist. Dabei sollte er ruhig mit seinem Labor zusammenarbeiten. Mit diesem hat er Erfahrungen und kennt vertrauenswürdige Ansprechpartner.
      Die Müdigkeit könnte natürlich auch von einem Leberschaden herrühren – es wäre sehr wichtig abzuklären, was hinter genau den hohen Leberwerten steckt.
      Daüber hinaus muss Ihr Tierarzt abklären, ob der Diabetes mellitus Ihrer intaktrn Hündin durch ein gynäkologisches Problem verursacht wurde. In diesem Fall sollte man Ihre Hündin kastrieren.
      Herzliche Grüße und Ihnen und Ihrer Hündin viel Glück
      Barbara Welsch

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