Die Rolle des Insulins beim gesunden und zuckerkranken Hund

Das Hauptkennzeichen des Diabetes mellitus ist ein zu hoher Blutzuckerspiegel, der durch einen absoluten oder relativen Insulinmangel entsteht. Von einem absoluten Mangel spricht man, wenn nicht mehr genügend Insulin produziert wird, von einem relativen Mangel, wenn das Insulin nicht mehr richtig wirkt.

Insulin ist ein Hormon, das von den Beta-Zellen der Langerhans`schen Inseln in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Um zu verstehen, wie es bei einem Insulinmangel zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel beim Hund kommt, sieht man sich am besten den normalen Weg des Zuckers aus der Nahrung in die Zelle an.

Aus Stärke wird Energie

Nach einer Mahlzeit werden in Magen und Darm Kohlenhydrate wie zum Beispiel Stärke in einfache Zuckermoleküle zerteilt. Die größte Bedeutung hat dabei der Traubenzucker (Glukose). Er gelangt vom Darm ins Blut und wird dann zu den Körperzellen transportiert, in denen er über verschiedene Schritte unter der Gewinnung von Energie verbrannt wird. Für viele Zellen unter anderem für die Gehirnzellen ist der Traubenzucker beziehungsweise Glukose  der wichtigste Energielieferant.

Insulin als Schlüssel

Doch bevor der Traubenzucker verbrannt werden kann, muss er in das Zellinnere gelangen. Nun kommt Insulin ins Spiel. Denn Glukose kann die Zellmembran, das dünne aber stabile Häutchen rund um die Zelle, alleine nicht passieren. Erst durch die Einwirkung von Insulin öffnen sich Zellporen (Zelltore in der Schemazeichnung) und lassen die Glukose in die Zelle.

Abbildung 1 Beim gesunden Hund kommen Zuckermoleküle und Insulin fast gleichzeitig bei den Zellen an.  Insulin öffnet die Zelltore und der Zucker kann in die Zelle gelangen.

Sobald sich nach einer Mahlzeit Zucker im Blut ansammelt,  schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Das Insulin lagert sich an Rezeptoren auf der Zellmembran an. Das Andocken des Insulins  bewirkt die Öffnung von Zellporen oder Zellkanäle für den Zucker, der nun in die Zelle gelangen kann.  Um diesen Prozess anschaulicher zu machen, spricht man bei der Wirkungsweise von Insulin auch vom Schlüssel-Schloss-Prinzip.  Dabei ist das Insulin der Schlüssel, der Rezeptor ist das Schloss und die Zellporen sind Tore.

Diabetes mellitus Typen

Man unterscheidet Diabetes mellitus  vom Typ 1 und vom Typ 2. Diabetes mellitus vom Typ 1 ist durch einen absoluten Insulinmangel gekennzeichnet. Das heißt, die Bauchspeicheldrüse bildet nicht mehr genügend Insulin. Ursache hierfür können erbliche Veranlagung, Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen sein. Die meisten Hunde leiden unter einem Typ 1 Diabetes mellitus. Anders als beim Menschen, bei dem diese Art der Zuckerkrankheit meist in der Jugend weit vor dem 25. Lebensjahr ausbricht, erkranken Hunde in der Regel erst ab einem mittleren Lebensalter an Diabetes mellitus. Nur 10 Prozent der Hunde werden in einem Alter unter sieben Jahren zuckerkrank.

Abbildung 2: Absoluter Insulinmangel bei Diabetes mellitus von Typ 1. In Abwesenheit von Insulin bleiben die Zellporen für die Zuckermoleküle verschlossen.

Der Diabetes mellitus Typ 2 wird beim Menschen auch Altersdiabetes genannt. Bei dieser Form der Zuckerkrankheit ist die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse zunächst völlig in Ordnung. Aber das Insulin hat seine Wirkung als Schlüssel verloren. Man spricht in diesen Fällen von einer Insulinresistenz. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: der Rezeptor kann so verändert sein, dass Insulin nicht mehr passt, oder es gibt einen Gegenspieler für das Insulin, wie zum Beispiel beim Gestagendiabetes der Hündin. Bei einem Diabetes mellitus vom Typ 2 versuchen die Langerhans´schen Zellen der Bauchspeicheldrüse zuerst gegen zu steuern, in dem sie die Insulinproduktion erhöhen. Doch irgendwann stellen die Zellen die Produktion erschöpft ein. Dann besteht zusätzlich zum relativen auch noch ein absoluter Mangel an Insulin.

Ein wichtiger Risikofaktor für diesen Typ 2 Diabetes ist Übergewicht. Der Typ 2 Diabetes ist beim Hund allerdings anders als bei Katze und Mensch außerordentlich selten.

Abbildung 3 Relativer Insulinmangel durch veränderten Rezeptor

Mit Diabetes mellitus vom Typ 3 beschreibt man Sonderformen der Zuckerkrankheit, die durch Krankheiten oder  andere Einflüsse ausgelöst wurden. Je nach zugrundeliegender Ursache kommt es dabei zu einem absoluten oder relativen Mangel.

Mehr Informationen zum Diabetes mellitus beim Hund

  • Überblick über Diabetes mellitus beim Hund. hier.
  • Ursachen für die Zuckerkrankheit beim Hund.hier.
  • Warum sind Hündinnen häufiger zuckerkrank als Rüden? hier.
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  • Die Folgen der Zuckerkrankheit beim Hund. hier.
  • Die Therapie des caninen Diabetes mellitus. hier.
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  • Ernährung eines zuckerkranken Hundes. hier.
  • Zuckerkoma und Unterzucker – Notfälle beim Hundediabetes erkennen. hier.
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Blogbeiträge zu Diabetes mellitus beim Hund

  • Diabetes mellitus während der Trächtigkeit. hier.
  • Gene für Diabetes mellitus. hier.

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