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Placebo-Effekt beim Tier durch Konditionierung

Der russische Wissenschaftler Iwan Petrowitsch Pawlow beschrieb erstmals eine klassische Konditionierung. Der Forscher hatte beobachtet, dass bei Laborhunde, die mit den Abläufen im Labor vertraut waren, kurz vor der  Fütterung anfingen zu sabbern. Er schloss daraus, dass die Tiere nicht nur aus Erfahrung wussten, dass es bald etwas zu fressen gibt, sondern sich ihr Organismus unbewusst auf die kommende Mahlzeit einstellte.

Er überprüfte diese These, indem er zeitgleich mit der Fütterung eine Glocke läutete. Nach einigen Wiederholungen sabberten die „Pawlowsche Hunde“ beim Glockenton auch dann, wenn sie gar kein Futter erhielten. Die Tiere hatten den Glockenton also unbewusst mit dem Futter verknüpft. Diese Verknüpfung nennt man klassische Konditionierung.

Pawlow beschrieb übrigens auch den ersten Placebo-Effekt bei Hunden, der auf klassischer Konditionierung beruhte: In einem speziellen Versuchsraum verabreichte er Hunden Morphium. Die Reaktionen der Tiere darauf wurden aufgenommen. Nachdem Forscher den Tieren  einige Male mit Morphium gespritzt hatten, reagierten die Hunde teilweise schon beim Betreten  des Versuchsraumes so, als stünden sie unter der Droge.

Allerdings funktioniert der Placebo Effekt nicht immer. Während Ratten nach wiederholten Injektionen von Aufputschmitteln, auch durch Spritzen mit einfacher Salzlösung aufgedrehter waren, hatten Spritzen mit dem Beruhigungsmittel Chlorpromazin nicht diesen Effekt. Bekamen die Ratten nach den wiederholten Chlorpromazin Gaben, nur noch Salzlösung gespritzt, wurden sie nicht ruhiger.

Selbst der Blutzuckerwert von Ratten lässt sich über Placebos beeinflussen. Nachdem man Ratten über zwölf Tage täglich mit Insulin gespritzt hatte, bewirkte die Injektion einer Salzlösung den gleichen Blutzuckeranstieg wie die Insulingaben in den Tagen zuvor. Einen Blutzuckeranstieg durch Stress (Stresshyperglykämie) konnte man bei diesem Versuch ausschließen.

Aus diesen und aus anderen Versuchen schließen Wissenschaftler, dass alle neutralen Faktoren, wie der Ort (z. B. die Tierarztpraxis), Personen, Dinge, Prozeduren (z. B. Tablette in der Leberwurst) und Rituale im Rahmen der eigentlichen therapeutischen Maßnahmen auch von Tieren mit der Besserung des Befindens assoziiert und so klassisch konditioniert werden.

Die plausible Theorie, dass es beim Tier durch eine Konditionierung zu einem Placebo-Effekt kommt, erklärt allerdings nicht, warum man einen Placebo-Effekt auch bei Tieren beobachten kann, die nicht durch vorangegangene Erlebnisse  konditioniert wurden.

Andere Mechanismen des Placebo-Effekts

Placebo Wirkung bei Tieren

Quellen:

Conzemius, M. G., & Evans, R. B. (2012). Caregiver placebo effect for dogs with lameness from osteoarthritis. JAVMA, 241(10), S. 1314-1319.

McMillan, F. (1999). The placebo effect in animals . JAVMA, 215(7), S. 992-999.

Muñana, K. R., Zhang, D., & Patterson, E. E. (2010). Placebo Effect in Canine Epilepsy Trials. J Vet Intern Med, 24, S. 166-170.

Nolan, T. A., Price, D. D., Caudle, R. M., Murphy, N. P., & Neubert, J. K. (2012). Placebo-induced analgesia in an operant pain model in rats. PAIN, 153(10), S. 2009-2016.

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