Training mit Todesfolge

Ein einjähriger Schäferhundrüde starb, weil sein Besitzer ihn beim Training zur Strafe an einem Würgehalsband hochhob und über etwa eine Minute  in der Luft hängen ließ.

Erst als das Tier in Panik geriet und schließlich bewusstlos wurde, ließ sein Halter es wieder zu Boden. Der Hund erwachte wenige Sekunden später aus seiner Bewusstlosigkeit und erschien zunächst normal. Innerhalb der nächsten vier Stunden bewegte sich das Tier jedoch zunehmend unsicher und begann zwanghaft im Kreis zu laufen.

Bei der Allgemeinuntersuchung in einer Tierklinik erhoben die Tierärzte folgende Befunde: Ängstlichkeit, starkes Hecheln, Herzrasen, Körpertemperatur von über 40 Grad, dunkel verfärbte Schleimhäute und eine verzögerte Kapillarfüllungszeit als Zeichen eines Kreislaufschocks. Nachdem die Tierärzte den Kreislauf des Hundes stabilisiert hatten, fuhren sie mit einer neurologischen Untersuchung fort.

Bei der neurologischen Untersuchung stellten die Tierärzte Blindheit, Pupillenerweiterung, reduzierte Reflexe, Augenzittern und eine linkseitige Gesichtsnervenlähmung fest. Auf Magnetresonanzaufnahmen des Gehirns waren erhebliche Veränderungen des Mittel- und Zwischenhirns zu sehen, die für die neurologischen Symptome einschließlich der Blindheit verantwortlich waren. Die Hirnschäden führten die Tierärzte auf einen langandauernden Sauerstoffmangel durch das Würgen zurück. Aufgrund der schweren Hirnschäden, die als unheilbar erachtet wurden, schläferten die Tierärzte den Hund schließlich ein.

Das Verwenden von Würgehalsbändern als Erziehungsmittel wird von einigen Trainern nach wie vor empfohlen, obwohl die damit verbundenen Gefahren, wie beispielsweise Verletzungen der Luftröhre, Schädigung der Nerven (vor allem der Sehnerven), Entwicklung eines Grünen Stars  und im schlimmsten Falle Tod durch Erwürgen, längst bekannt sind. Auch das  „Hängen“ von Hunden zur Strafe von Fehlverhalten scheint in einigen Kreisen durchaus üblich zu sein. Es gibt Gerüchte, dass es in den USA immer wieder zu  Todesfällen durch “Strafhängen” gekommen sein soll. (Ergänzung vom 04.07.2013).  Eventuell handelt es sich bei dem bekannt gewordenen Fall nur um die Spitze eines Eisbergs.

Eine ausführliche Darstellung des beschriebenen Falles ist in folgendem kostenpflichtigen  Fachartikel nachzulesen:

Grohmann, K., Dickomeit, M. J., Schmidt, M. J., & Kramer, M. (2013). Severe brain damage after punitive training technique with a choke chain collar in a German shepherd dog. Veterinary Behavior, Vol 8, Issue 3, S.180-184.  Abstract (das Abstract ist öffentlich und  kostenlos)

Weitere Quellen, die in diesem Artikel Verwendung fanden:

Das Positionspapier der  American Veterinary Society of Animal Behavior zum Gebrauch von Strafen zur Verhaltensmodifikation von Tieren

Gesundheitliche Bedenken beim Gebrauch von Stachel- und Würgehalsbändern

Tödlicher Unfall mit Würgehalsband

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