Was tun bei Verdacht auf eine Futterallergie?

Einige Wissenschaftler schätzen, dass rund 30 Prozent aller Hunde mit juckenden Hautentzündungen unter einer Futterallergie leiden. Andere gehen von höchstens 10 Prozent aus. Verwirrend nicht? Doch die Uneinigkeit der Wissenschaftler hat einen einfachen Grund: Es ist sehr schwierig eine Futterallergie eindeutig zu diagnostizieren und so sind die Spezialisten auf Schätzungen angewiesen.

Die Schwierigkeiten beginnen damit, dass der Zusammenhang zwischen den Krankheitsanzeichen und einem bestimmten Futterbestandteil schwer herzustellen ist, weil zwischen der Aufnahme des Allergens und dem Auftreten der ersten Symptome mehrere Tage liegen können. Und es kann – nach dem letzten Kontakt mit dem die Allergie auslösenden Stoff – in Einzelfällen sogar 13 Wochen dauern, bis die Symptome endgültig abklingen. Darüber hinaus gibt es bis heute keinen zuverlässigen Allergietest für die verschiedenen Futtermittelallergien. Die einzig wirklich aussagekräftige Diagnosemethode ist die Eliminationsdiät mit anschließender Provokationskost – eine langwierige und umständliche Prozedur, die nicht von jedem Hundehalter durchgehalten werden kann.

Was aber versteht man überhaupt unter einer Futtermittelallergie? Hunde jeden Alters oder Geschlechts können auf einen Bestandteil des Futters mit Krankheitssymptomen reagieren. Streng genommen unterscheidet man eine „echte“ Futtermittelallergie von einer so genannten Futtermittelintoleranz oder -unverträglichkeit. Beide werden durch völlig harmlose Substanzen (zum Beispiel Eiweiß aus Rindfleisch) in der Nahrung ausgelöst und erzeugen ähnliche Symptome, nämlich chronische, juckende Ohr- und Hautentzündungen und / oder Verdauungsstörungen mit Durchfall. Im Gegensatz zur Futtermittelintoleranz ist bei der Futtermittelallergie das Immunsystem des Hundes beteiligt: Im Blut von Hunden mit einer echten Futtermittelallergie kann man tatsächlich Antikörper gegen das Allergen finden – doch diese Bluttests sind nicht zuverlässig genug, um die Allergie zu beweisen.

Sowohl bei der Futtermittelallergie als auch bei der Futtermittelintoleranz müssen die auslösenden Substanzen in der Nahrung identifiziert und in Zukunft gemieden werden. Hierzu dient die Eliminationsdiät. Sie beruht auf der Tatsache, dass ein Hund nur auf Substanzen allergisch reagieren kann, die sein Immunsystem kennt. Dem Immunsystem unbekannte Stoffe können keine allergische Reaktion auslösen. Bei der Eliminationsdiät erhält das Tier daher ein Futter, das ausschließlich aus Zutaten besteht, die es zuvor noch nie gefressen hat. Bewährt hat sich beispielsweise eine Eliminationsdiät aus Pferdefleisch zur Eiweißversorgung und Kartoffeln als Stärkequelle. Aber auch andere Quellen tierischen Eiweißes, wie zum Beispiel Ziege, Wild, Ente oder Fisch können eingesetzt werden. Einzige Voraussetzung ist, dass der Hund damit zuvor noch nie in Kontakt gekommen ist.

Eine Alternative zur selbst gekochten Kost sind spezielle fertige Allergikerdiäten vom Tierarzt. Diese Fertigkost hat den Vorteil, dass sie nicht aufwändig zubereitet werden muss und alle Nährstoffe enthält, die der Hund braucht. Allerdings ist die fertige Diät in dieser Phase der diagnostischen Behandlung weniger erfolgreich als die nach strengem Rezept hergestellte Hausmannskost.

Falls tatsächlich eine Futterallergie oder -intoleranz die Symptome verursacht hat, sollte sich das Krankheitsbild deutlich bessern. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Hund über einen Zeitraum von mindestens acht Wochen, nichts aber auch gar nichts außer seiner Diät zu fressen bekommt! Unter das Fütterungsverbot fallen auch: Kauknochen, Leckerlis, Vitamin- oder Kräutermischungen, Kapseln mit essentiellen Fettsäuren, Mineralstoffpulver, aromatisierte Tierzahnpasta und selbstverständlich auch Tischreste! Bekommt der Hund auch nur einmal etwas anderes zu fressen, können die Mühen von Wochen „für die Katz“ sein und man kann wieder von vorne beginnen.

Wenn die Hautentzündung oder die Verdauungsstörungen nach diesen acht Wochen abgeklungen sind, sollte ein Provokationstest durchgeführt werden. Das bedeutet: Der Hund sollte genau das Futter erhalten, das im Verdacht steht, die allergische Reaktion ausgelöst zu haben. Leidet der Hund tatsächlich unter einer Futtermittelallergie werden sich die Symptome erneut zeigen – wenn nicht, umso besser, dann darf er nämlich wieder sein altes Futter fressen. Das Risiko, dass sich die Symptome der Allergie wieder zeigen, hält so manchen Hundebesitzer davon ab, den Provokationstest durchzuführen. Doch nur mit mithilfe dieser Maßnahme kann eine Futtermittelallergie eindeutig diagnostiziert werden.

Ohnehin darf die strenge Variante der Eliminationsdiät nur eine begrenzte Zeit gefüttert werden, denn sie ist nicht ausgewogen, enthält in der Regel zu wenig Mineralstoffe und Vitamine und kann zu Mangelerscheinungen führen. Ausgewachsene Tiere kommen acht bis zehn Wochen mit dieser leichten Mangelernährung gut zurecht – Welpen und Junghunde dürfen höchstens zwei Wochen lang mit der klassischen Eliminationsdiät ernährt werden. Im Anschluss an diese ersten zwei Wochen muss ihre Diät mit vom Tierarzt verschriebenen Nahrungsergänzungsmitteln aufgewertet werden.

Ist die Futtermittelallergie durch Eliminationsdiät und Provokationstest bewiesen, müssen nun Nahrungsmittel gefunden werden, die der Hund verträgt. Dazu wird die Mahlzeit des Patienten mit je einer neuen Zutat, z. B. einem Mineralstoffpräparat oder einer neuen Fleischsorte, ergänzt und beobachtet, wie der Hund reagiert. Diese Methode ist sehr aufwändig, hat aber den Vorteil, dass man danach sicher weiß, welche Inhaltsstoffe in Zukunft zu meiden sind. Mit der Zeit kann man mit diesen Informationen eine ausgewogene Kost zusammenstellen, die dem tierischen Allergiker gut bekommt. In günstigen Fällen kann man sogar dadurch sogar für etwas Abwechslung im Napf sorgen, denn man muss ja nur bestimmte Zutaten vermeiden.

Man kann es aber auch mit spezieller Fertigkost für Allergiker versuchen. Die Fertignahrung hat den großen Vorteil, dass sie garantiert ausgewogen ist und der Hund problemlos sein Leben lang damit ernährt werden kann. (siehe aber auch: Falsch gespart) Nur bei wenigen Hunden ist dies nicht möglich, weil sie auch auf diese Spezialkost allergisch reagieren. Für diese Tiere muss man mit erprobten Zutaten selbst kochen. Wichtig ist, dass man diese Spezialmahlzeiten streng nach Rezept des Tierarztes und mit dem von ihm empfohlenen Nahrungsergänzungsmitteln zubereitet – nur so ist gewährleistet, dass der Hund auch alle Nähr- und Vitalstoffe erhält, die er braucht.

Barbara Welsch (Text erstmals erschienen in Partner Hund 2006)

Manchmal sind es Milben

Manchmal ist es gar nicht das Futter selbst, das die Allergie auslöst, sondern Vorratsmilben. Diese Schädlinge siedeln sich in feuchtem und / oder überlagertem Trockenfutter an. Ihre Ausscheidungen führen beim Hund zu Allergien mit juckenden Hausauschlägen. Achten Sie deshalb beim Kauf eines Futters immer auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und eine unbeschädigte Verpackung. Sobald man die Packung angebrochen hat, sollte man das Futter in einem dicht verschließbaren Behälter trocken aufbewahren und möglichst zügig verbrauchen.

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